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Glas

Große bearbeitete Glasscheiben im Außenraum, in denen sich Licht, Himmel und Umgebung spiegeln

Glas ist in Marlon Nikolais Praxis kein neutraler Träger. Es wirkt zugleich als Oberfläche, Schwelle und optischer Körper: Es lässt Licht und Bild hindurch, spiegelt, bricht und verbirgt teilweise und versetzt Werk, Umgebung und Betrachtende in eine veränderliche Beziehung.

Seine Transparenz ist niemals bloße Abwesenheit. Stärke, Einschlüsse, Spuren, Kondensation, Kratzer und Unregelmäßigkeiten bestimmen mit, was sichtbar wird und wie es zugänglich erscheint. Der Blick durch Glas bleibt an die materiellen Bedingungen der Scheibe gebunden; das Dahinter wird von Spiegelungen des Davor überlagert.

Im Atelier und in räumlichen Situationen kann Glas trennen, ohne vollständig abzuschließen, und verbinden, ohne Differenzen aufzulösen. Es bildet eine Membran zwischen Innen und Außen, Bild und Umraum, Nähe und Distanz. Mit der Bewegung der Betrachtenden verschieben sich Reflexionen, Hintergründe treten hervor oder verschwinden, und kein einziges stabiles Bild bleibt bestehen.

Licht aktiviert dieses materielle Feld. Es tritt hindurch, wird an Kanten und Oberflächen umgelenkt, verdichtet sich zu Glanz oder Schatten und lässt Spuren sichtbar werden, die sonst zurücktreten würden. Glas macht so Wahrnehmung selbst erfahrbar: Sehen wird zu einem Ereignis zwischen Material, Licht, Position und Dauer.